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Anfang März diesen Jahres – kurz vor dem Lockdown – gewann der Willicher A-Cappella-Chor „Die Tonköpfe“ den ersten Preis in der Kategorie „Kultur“ beim Sponsoring-Wettbewerb der Stadtwerke. Die Preisverleihung musste aufgrund der Pandemie abgesagt werden. Lange war auch unklar, ob das Projekt, für das die Tonköpfe beim Wettbewerb die meisten Stimmen gewinnen konnten, stattfinden durfte.

Ursprünglich war geplant, in der Landesmusikakademie im westfälischen Heek einen Workshop zu veranstalten, um die Bühnenpräsenz gemeinsam mit einem professionellen Choreographen weiterzuentwickeln. Die geltenden Abstandsregeln für SängerInnen lassen es seit Monaten allerdings nicht zu, gemeinsam in normalgroßen Räumlichkeiten zu proben. Also suchte die Chorleiterin Andrea Kautny zusammen mit dem Vorstand nach alternativen Lösungen.

Glücklicherweise öffnete die Akademie ab Juni wieder und stellte dem Chor für das Probenwochenende einige Räume und eine überdachte Freifläche zur Verfügung. So konnte anstelle eines einzigen, gemeinsamen Workshops des gesamten Ensembles, in 5 Gruppen parallel gearbeitet werden. Der professionelle Musicaldarsteller, Sänger und Coach Marco Billep reiste hierfür extra aus Berlin an. Schwerpunkte waren die Arbeit an verschiedenen Choreographien und die allgemeine Verbesserung der Bühnenpräsenz, intensive Stimmbildung in Gruppen von 2 bis max. 5 Personen, eine Einführung in Mouth-Percussion (= das Imitieren eines Schlagzeugs mit dem Mund) und Ensemble-Singen. Hierbei wurden die 4-8-stimmigen Lieder, die Andrea Kautny während des Lockdowns per Video-Konferenz einstudiert hatte, in Kleingruppen gesungen und musikalisch ausgereift.

„Es war einfach genial, ermutigend, lehrreich und gut für das Selbstbewusstsein“, schwärmte eine Sängerin hinterher. Die Chorleiterin ist sich sicher, dass sich der Chor durch die extrem schwierigen Bedingungen in diesem Jahr enorm weiterentwickelt hat. „Durch die Abstände von 4 Metern zur nächsten Person ist jeder auf sich selbst angewiesen. Niemand kann sich an einen anderen „dranhängen“, jeder muss seine Stimme, seine Texte vollkommen autark beherrschen. Ich habe in den Ensembles gemerkt, wie sehr der Chor technisch gereift ist. Dadurch konnte ich an der Musikalität und am Ausdruck arbeiten wie noch nie zuvor.“

Die Tonköpfe kehrten sehr beseelt und bereichert zurück – und dankbar für den Wettbewerb der Stadtwerke Willich und alle, die dem Chor ihre Stimme gegeben haben. Jetzt wird ein Konzept erarbeitet, wie die beliebten Konzerte des Ensembles am 1. Advents-Wochenende vielleicht doch stattfinden können.