Willicher Dönekes – Der Gaspelshof

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Skizze: Peter Schmitz

Meine Zeit auf dem Gaspelshof – von Peter Wynands

Mit ca. fünf Jahren nahm mich meine Mutter, die als Kartoffelleserin aushalf, mit auf den Gaspelshof von Familie Schmitz, die Bäuerin Elisabeth Schmitz passte solange auf mich auf. So wurde der Hof meine zweite „Heimat“. Mit zehn Jahren habe ich schon das Pferdegespann vom Hof geführt und vom Feld die Rüben oder die Kartoffeln bis zum Gaspelshof gefahren. Mit zwölf Jahren konnte ich Trecker fahren, obwohl die Beine noch etwas kurz waren. Mit sechzehn hab ich das erste Mal gepflügt. Bis zu meinem 25. Lebensjahr habe ich für das ältere Ehepaar Johannes und Elisabeth den Hof sauber und in Ordnung gehalten.

In den ersten Jahren habe ich für die Eheleute Schmitz die Miete mit einem Mietbuch noch Bar kassiert. Später gab es eine Bankverbindung. Dabei habe ich ihn zum ersten Mal getroffen: Sigmar Polke. Er war einer der Bewohner in der „Kommune“, heute würde man wohl „WG“ sagen. Ich wusste natürlich nicht, dass er ein Künstler war. Es wurde damals nur gesagt, da ist ein Künstler mit auf dem Hof, der ein großes auffälliges amerikanisches Cabrio fährt. Er trug oft einen Ledermantel und einen Schlapphut. Dabei hatte er meistens eine Kamera in der Hand.

Der Hof ist aus dem 16. Jahrhundert. Er hat sich verändert. Ich erinnere mich noch an die alte Fassade vom Gaspelshof. Bis etwa 1899 war rechts die Toreinfahrt, die dann zugemauert wurde, verputzt und mit der gleichen grünen Farbe gestrichen wie das neue Holztor. Dieses Tor ist heute ein großes Fenster einer Eigentumswohnung. Wenn man heute den Hof betritt, sind dort aus Scheune, Pferdestall und Kuhstall Eigentums Wohnungen entstanden. Früher gab es dort ein zweites Tor, zum zweiten Hof. Links vom zweiten Hof ging man durch ein schmiedeeisernes Tor in den „Bongert“, eine alte Streuobstwiese. Hinter dem Tor habe ich früher den Abfall und Unrat vom Hof verbrannt. Eine Müllabfuhr gab es zu meiner Kindheit dort noch nicht. Auch Polke hatte seinen Unrat dort hingebracht.

Sigmar Polke Kartoffelmaschine
Skizze: Peter Schmitz

Unter anderem hat er dort auch seine „Kunstwerke“ Skizzen und Zeichnungen hingeworfen, die ich dann verbrannt habe. Natürlich habe ich nicht gewusst was ich da verbrenne, heute weiß ich dass es die „Erstlingswerke“ von Sigmar Polke waren.

Ich erinnere mich, dass Polke damals auch mit Freunden dort andere Dinge gebastelt hat. Sie haben zum Beispiel aus Holz ein Gestell gemacht. Das nannte sich „Kartoffel dreht sich um Kartoffel“. Ganz verrückt, es wurden ca. 20 Stück davon gebaut. Heute existieren wohl nur noch zwei Stück. Vor einiger Zeit soll eines als Kunstwerk für 74.000 Euro verkauft worden sein.

Der Gaspelshof von Stadtarchivar Udo Holzenthal
Der Gaspelshof mit seinem Besitzer Heinrich Gaspels wird erstmals 1575 genannt, der Hof umfasste zu diesem Zeitpunkt knapp 56 Morgen Land. Er leistete Abgaben u.a. an den Schiefbahner Hellenbroichshof, den Willicher Kreuzaltar, die Sebastianusvikarie und die Heisters Erben zu Köln.

Der jetzige Hof wurde 1856 gebaut. Es handelt sich um ein mehrflügeliges Anwesen in Backstein, das sich um zwei Innenhöfe gruppiert. 1899 erfolgte eine Erweiterung. Bemerkenswert an der Hofanlage sind nicht nur die einzelnen Gebäude, sondern auch die von der Kiefernstraße zum Hof führende Allee und ein rückwärtig gelegenes Wäldchen.

Über eine Tochter der Eheleute Gaspels gelangte der Hof an die Familie Schmitz, welche das Anwesen in mehreren Generationen über Jahrhunderte hinweg betrieb. Johannes und Elisabeth Schmitz führten die Landwirtschaft bis 1961, danach wurde das Land an den benachbarten Bauern Klören und Renen verpachtet und das Inventar versteigert. Nach dem kinderlosen Tod der Eheleute verfiel der Hof zusehends.

Von 1972 bis 1978 lebte der Künstler Sigmar Polke mit heute ebenfalls berühmten Künstlern und Künstlerinnen, wie Walter Dahn (Tönisvorst), Katharina Sieverding, Candida Höfer und anderen in einer Künstler- und Landkommune auf dem Gaspelshof.

1985 wurde die Anlage verkauft. Die neuen Eigentümer bauten den Gaspelshof komplett um und richteten nicht nur im alten Wohnhaus, sondern auch in den Scheunen und Stallungen Wohnungen ein. Der Gaspelshof steht seit dem 27. Juli 1984 unter Denkmalschutz.

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Skizze: Peter Schmitz

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