Handy Symbolbild

Das Lamento über die „schlechte Versorgung im ländlichen Bereich in Sachen Mobilfunk- und Breitbandversorgung“ ist allgegenwärtig, oft und gerne werden auch Forderungen laut, „endlich mal in die entsprechende Infrastruktur zu investieren“. Da überrascht es dann schon, wenn Frank Harksel, kommunaler Ansprechpartner für Mobilfunk der Deutschen Telekom, bei einem Ortstermin in Willich mit Bürgermeister Josef Heyes und Wirtschaftsförderer Christian Hehnen erklärt, dass der neue Mobilfunkstandard 5G (NGMN, Next Generation Mobile Networks) „in der Stadt Willich fast flächendeckend schon am Start und technisch bereits eingerichtet ist.“

Die dazu passende 5G-Initiative der Deutschen Telekom war Mitte Juni gestartet. Verschiedene Mobilfunkstandorte – unter anderem Erkrath, Haan, Hilden, Langenfeld, Mettmann, Monheim am Rhein, Ratingen und eben auch die Stadt Willich – gehören zu den neuen Standorten, die mit 5G versorgt werden. Dabei bedient man sich eines technischen Kniffs, des sogenannten Dynamic Spectrum Sharing (DSS, englisch etwa für Teilen/Nutzen des dynamischen Spektrums): Die Telekom hat über 12.000 bestehende Antennen für 5G fit gemacht, bis Ende des Jahres sollen es 40.000 Antennen sein. Im ländlichen Raum wird nun 5G auf der niedrigen 2,1 GHz-Frequenz bereitgestellt und kann über dieses DSS parallel zum Standard LTE/4G angeboten werden, was den 5G-Ausbau enorm beschleunigt. Und wenn derzeit auch nur gerade mal fünf aktuelle Smartphone-Modelle am Markt überhaupt 5G-fähig sind, profitieren vom Ausbau auch die vielen Nutzer, die im 4G/LTE-Bereich unterwegs sind. Denn das wird auf diesem Wege ebenfalls beschleunigt, so Harksel: Zwecks Umsetzung des Konzepts hat die Telekom 15 Megahertz (MHz) im 2,1 Gigahertz-Band für LTE und 5G im Einsatz. 5MHz stammen davon übrigens aus dem bisherigen 3G-Spektrum, 10 MHz hat die Deutsche Telekom zusätzlich von Telefónica angekauft. In ländlichen Regionen wird damit eine Verdopplung der Geschwindigkeiten realisiert; mit bis zu 225 Mbit pro Sekunde können Nutzer hier surfen.

De facto ist die Versorgung in Willich also sehr gut – was im Übrigen auch für die „Verkabelung“ der Stadt gilt, so Wirtschaftsförderer Christian Hehnen, der mit seinem Team seit geraumer Zeit oft auch im Hintergrund unglaublichen Aufwand in die entsprechende Abstimmung mit den verschiedenen Anbietern und die nicht immer leicht umzusetzende Realisation vor Ort betreibt: Neben der Telekom, die stadtweit Glasfaser via FTTC-Architektur ausbaut respektive ausgebaut hat (FTTC, englisch für Fiber to the curb, Glasfaserkabel bis zum Kabelverzweiger am Straßenrand, von dem aus via „Super-Vectoring“ per Kupferkabel bis zum Kunden mit 250 Mbits), ist Vodafone am Start: Hier hat man nach dem Aufkauf des Unity-Media-Netzes in Willich die Möglichkeit, über 14.000 Kunden via abgeschirmtem Koaxial-Kabel mit Gigabit-Geschwindigkeit zu versorgen. Und schließlich ist auch die Deutsche Glasfaser mit im Verkabelungs-Boot, so Hehnen: Die hat schon diverse Willicher Areale mit Glasfaser versorgt, und dieser Ausbaustand hat, so Hehnen, einen weiteren, eher langfristig positiven Effekt: „Durch den Ausbau haben wir schon jetzt eine sehr gute Glasfaser-Infrastruktur, auf die man perspektivisch im Wortsinne ‚zugreifen‘ kann.“ Die Deutsche Glasfaser ist außerdem derzeit im Rahmen des geförderten Ausbaus dabei, viele Rand- und Außenbereiche zu verkabeln. Allein ist die Akzeptanz durch die Kunden eher überschaubar: In anderen Kreisen liegt die „take-up-rate“ unter den Erwartungen – Hehnen und Heyes hoffen, dass die Abnahmerate durch den Kunden in Willich eine bessere sein wird.

Jedenfalls lassen sich weder die Anbieter, noch Heyes und Hehnen entmutigen – ebenso durch die Tatsache, dass die Wahrnehmung singulärer, lokaler Versorgungslücken durch Bürger die generelle Wahrnehmung und oft auch die allgemeine Diskussion bestimmt. Heyes: „Wer je nach Anbieter an einem bestimmten Ort im ,Funkloch‘ sitzt, ist dann natürlich verärgert – was aber nichts an dem Fakt ändert, dass das Willicher Stadtgebiet nicht nur vergleichsweise wirklich mehr als gut versorgt ist. Wir arbeiten weiter daran!“

Über den laufenden 5G-Netzausbau fließen in das bestehende 4G-Netz neue Funktionen und technische Eigenschaften ein, die „Generationen“ 4G und 5G können also generell nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Und so sieht Christian Hehnen das Arbeiten an einer möglichst optimalen Versorgung der Bürgerinnen und Bürger, aber auch der angesiedelten Firmen sowieso eher als einen „evolutionären Prozess – und da liegt es in der Natur der Sache, dass man beharrlich sein muss und mit viel Arbeit auf einem langen Weg unterwegs ist – aber wir sind wirklich gut unterwegs.“